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"Killer"spiele

Leben

Aus "heise.de":

Killerspiele

Auffällig - aber angesichts der allgemein zunehmenden Adaption englischer Begriffe ins Deutsche nicht ungewöhnlich - ist zunächst, dass "Killerspiele" eine zweisprachige Vokabel ist. Das ist insofern nicht unwichtig, als das Wort "Killer" beim Leser wesentlich mehr impliziert als seine einigermaßen enge Übersetzung "Auftragsmörder". Es gibt auch "Auftragsmörderspiele", doch die müssen nicht erst durch Erweiterung des Strafgesetzes verboten werden, sie sind es schon (zumindest eines: "Manhunt", Rockstar 2004). Jedes "Auftragsmörderspiel" scheint ein "Killerspiel" zu sein, doch der Umkehrschluss ist - wie so oft - nicht gültig.

Zurück zum "Killer". Etymologisch geht das Morphem "kill" wahrscheinlich auf das altenglische "qwellan" zurück, von dem sich auch das englische Verb "to quell" ableitet, das soviel wie "bezwingen", (einen Aufstand, Gefühle) "unterdrücken" bzw. "niederschlagen" oder "ersticken" bedeutet. (Wikipedia) Das zweite Morphem, "spiele", erklärt sich beinahe von selbst, nicht nur, weil es direkt auf den zu inkriminierenden Gegenstand verweist: Die Herkunft des mittelhochdeutschen "spil" ist zwar unbekannt, seine Bedeutung jedoch stets dieselbe geblieben: "Kurzweil, unterhaltende Beschäftigung, fröhliche Übung" (Duden Etymologie).

Im Übergang von der Morphem- auf die Wortebene, offenbart sich bereits einiges von jenem Sinngehalt, den Diskutanten wie Uwe Schünemann, Günter Beckstein oder Edmund Stoiber, mit "Killerspiele" verbinden. Vom Konstruktionsprinzip zählt "Killerspiele" zu den so genannten Determinativkomposita. Darunter versteht man eine Wortbildungsart mit zwei Konstituenten, die zueinander in hypotaktischer Relation stehen: Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach: Die erste Konstituente ("Killer") bestimmt die zweite Konstituente ("Spiel") näher. Was für ein "Spiel" ist es? Kein Brettspiel, kein Würfelspiel, ein "Killerspiel".

Diese Klassifizierung ließe nun folgende Feststellung zu: Das "Killerspiel" ist ein Spiel, das mit (oder auf oder durch) "Killer(n)" gespielt wird. Das kann nicht sein. Für solche nicht direkt gemeinten Komposita hält die Wortbildungslehre eine Unterkategorie bereit, bei denen der Wortsinn nicht direkt aus den beiden Konstituenten ableitbar ist ("Löwenzahn"): die so genannten Possessivkomposita. Bei diesen ist ein Merkmal metaphorisch gemeint und verweist auf das Aussehen, eine Eigenschaft o. a., das die Sache, welche das Wort benennt, besitzt. Wäre das Wort "Killerspiel" ein Possessivkompositum, ließe sich damit vielleicht erklären, warum es gar nicht direkt auf ein oder mehrere Spiel(e) verweist, sondern vielmehr auf einen Diskurs. (So ähnlich, wie das Possessivkompositum "Blauhelm" nicht zunächst eine Kopfbedeckung meint.)

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